Allgemein

Auswahlbibliografie

Auswahlbibliographie Anfänge. Evangelisches Studienwerk in den Jahren 1948-1967, o.O. o.J. [1987]. Albrecht, Dietmar: Pommern wie Pomorze. Neun Kapitel Pommerland. Orte, Texte, Zeichen, München 2011, bes. Kapitel Stettin, S. 111-154. Argüello, José: Befreiungspraxis und Erlösung im Verständnis der Lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, Diss. Universität Tübingen, 1980. Aust, Stefan; Burgdorff, Stephan (Hrsg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten, München 2005. Ben-Chorin, Schalom: Bruder Jesus. Der Nazarener in jüdischer Sicht, München 1967. Berneuchener Konferenz (Hrsg.): Das Berneuchener Buch. Vom Anspruch des Evangeliums auf die Kirchen der Reformation, Hamburg 1926. Neuausgabe: Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978. Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer, Reinbek bei Hamburg 1976. Bismarck, Ruth Alice von; Kabitz, Ulrich (Hrsg.): Brautbriefe Zelle 92. Dietrich Bonhoeffer Maria von Wedemeyer 1943-1945, München 1993. – Erinnerungen an die Familie, in: Wedemeyer, Ruth von: In des Teufels Gasthaus. Eine preußische Familie 1918-1945, herausgegeben von Peter von Wedemeyer und Peter Zimmerling, Moers 1993, S. 211-216. Bonhoeffer, Dietrich: Sanctorum Communio. (Dissertation), Berlin 1927. ‒ Akt und Sein. Transzendentalphilosophie und Ontologie in der systematischen Theologie. (Habilitationsschrift), Gütersloh 1931. ‒ Die Kirche vor der Judenfrage. 1933. (https://shelx.uni-ac.gwdg.de/~rherbst/eirmer/html/Re12EA_aus/NS/Bonhoeffer_Kirche_Judenfrage.pdf) ‒ Schöpfung und Fall. Theologische Auslegung von Genesis 1-3, Vorlesung, München 1933. ‒ Nachfolge, München 1937. ‒ Gemeinsames Leben (= Theologische Existenz heute, Heft 61), München 1939. ‒ The first table of the ten commandments, o.O. 1944. ‒ Schöpfung und Fall. Versuchung, München 1968 [es handelt sich vermutlich um einen unbearbeiteten Nachdruck]. ‒ Ethik, hrsg. von Eberhard Bethge, Stuttgart [1949]. ‒ Christologie. Mit einem Nachwort von Eberhard Bethge, München 1981. ‒ Schweizer Korrespondenz 1941/42. Im Gespräch mit Karl Barth, hrsg. und kommentiert von Eberhard Bethge, München 1982. ‒ Predigten, Auslegungen, Meditationen, hrsg. von Otto Dudzus, München 1984-1985. ‒ Gemeinsames Leben. Das Gebetbuch der Bibel, herausgegeben von Gerhard Ludwig      Müller u. Albrecht Schönherr, München 1987. [Band 5 der Reihe Dietrich Bonhoeffer             Werke] Bonhoeffer in Finkenwalde. Briefe, Predigten, Texte aus dem Kirchenkampf gegen das NS-Regime 1935-42. Studienausgabe mit Hintergrunddokumenten und Erläuterungen, hrsg. von Karl Martin unter Mitarbeit von L. Maximilian Rathke, Wiesbaden/Berlin 2012. Bonin, Konrad von (Hrsg.): Deutscher Evangelischer Kirchentag Düsseldorf 1985. Dokumente, Stuttgart 1985. Buchholz, Werner (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Pommern, Berlin 1999. Darin v.a. Inadin, Kyra: Die Entwicklung Pommerns im Deutschen Reich, S. 447-508 sowie Lucht, Dietman: Der Weg in die Katastrophe, S. 509-522. Bundesministerium für Vertriebene (Hrsg.): Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsgefangene, Bonn 1959. Ciupke, Paul; Jelich, Franz-Josef (Hrsg.): Ein neuer Anfang. Politische Jugend- und Erwachsenenbildung in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, Essen 1999. Cortés, Hernań: Die Eroberung Mexikos. Eigenhändige Berichte an Kaiser Karl V. 1520-1524, neu herausgegeben und bearbeitet von Hermann Homann, Tübingen-Basel 1975. Cramer von Clausbruch, Adelheid: Agent in der Abwehr. Überlegungen zur Bedeutung der Hinrichtung von Dietrich Bonhoeffer heute, Hamburg 2006. Doerr, Werburg: Flieg, Maikäfer, flieg. Eine Kindheit jenseits der Oder, Hamburg 2003. Endres, Gerald: Gutsherren- und Pferdeland, Kartoffelacker und Reichsluftschutzkeller, in: Als der Osten noch Heimat war. Was vor der Vertreibung geschah: Pommern, Schlesien, Westpreußen, Reinbek bei Hamburg 2011, S. 195-268. Engelberg, Ernst: Bismarck. Das Reich in der Mitte Europas, Berlin 1990. Gassert, Philipp (Hrsg.): Zweiter Kalter Krieg und die Friedensbewegung. Der NATO-Doppelbeschluss in der deutsch-deutschen und internationalen Perspektive, Oldenburg 2011. Goedeking, Ulrich; Eleonore von Oertzen: Peru. 3. völlig neubearb. Aufl., München 2004. Greschat, Martin: „Mehr Wahrheit in der Politik!“. Das Tübinger Memorandum von 1961, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 48. Jahrgang, Heft 3, Juli 2000, Seite 491-513. – Vom Tübinger Memorandum (1961) zur Ratifizierung der Ostverträge (1972). Protestantische Beiträge zur Aussöhnung mit Polen, in: Friedhelm Boll; Wieslaw Wysocki; Klaus Ziemer (Hrsg.): Versöhnung und Politik. Polnisch-deutsche Versöhnungsinitiativen der 1960er-Jahre und die Entspannungspolitik, Bonn 2009 (Archiv für Sozialgeschichte  Beiheft 27). Grimme, Gertrud: Von der Vikarin zur Oberkirchenrätin...

Mehr

Interreligiöser Dialog ‒ Die christlich-jüdischen Bibelwochen

Nach dem Ende des Nationalsozialismus und seiner Vernichtungspolitik sahen viele Menschen insbesondere im christlich-jüdische Dialog eine Forderung und Aufgabe der Zeit. Zu ihnen gehörte auch Ruth-Alice von Bismarck. Ihr Engagement begann nach Danes Tod 1977. An ihre erste christlich-jüdische Bibelwoche, ein „Schlüsselerlebnis“ erinnert sie sich: „Ich war also nach Danes Tod allein im Haus. Mein Mann war schon in München im Hotel. Er hatte auch das Gefühl: „Ich habe es hier so herrlich in München – das ist ein tolles Leben! Meine Frau kann ruhig in Köln bleiben …“.  Zusammen mit ihrem Sohn Thomas und der Vikarin der Kölner Gemeinde reiste sie kurz entschlossen nach Bendorf, obwohl die Veranstaltung bereits ausgebucht war. … „Danes Tod hatte mich sehr bewegt und sehr beschäftigt – und nun war plötzlich so eine Stille im Haus. Ich sagte zu mir selbst: ‚Ganz allein, wie ist das möglich? Jetzt frage ich mal, ob gerade die christlich-jüdische Bibelwoche ist …‘. Und sie fand tatsächlich statt. … Wir fanden ein Notquartier auf einem Bauernhof und gingen zur jüdisch-christlichen Bibelwoche. Es waren etwa 100 Menschen da aus Israel, England und Deutschland. Die Frau, die die Bibelwoche leitete, Anneliese Debray [1911‒1985] – eine starke Persönlichkeit – hatte durch das von Papst Johannes XXIII. einberufene Konzil und der Barriere, die dabei zum jüdischen Volk fiel, die Idee gehabt, in Bendorf bei Koblenz, einer [Bildungsstätte der] katholischen Akademie [Trier], eine solche Bibelwoche zu veranstalten.“ Das Hedwig-Dransfeld-Haus im rheinland-pfälzischen Bendorf war seit der Gründung in den 1960er Jahren Begegnungsort für interreligiösen Dialog und Versöhnung [heute: Bendorfer Forum für ökumenische Begegnung und interreligiösen Dialog]. Neue Impulse für die christlich-jüdische Versöhnung kamen von Papst Johannes XXIII. und vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962‒1965). Der interreligiöse Dialog oder Dialog der Religionen auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt, Gleichberechtigung und Friedensbestrebungen begann allerdings nicht erst in den 1960er Jahren. „Die Bibelwoche lief bereits, als ich ankam. Sie hatten beim 1. Buch der Bibel angefangen und waren inzwischen durch Mose durch und nun bei Josua. Ich kam rein und erlebte, wie eine große Gruppe vor mir – es war ein großer Saal mit 100 Teilnehmern – in deutscher und englischer Sprache miteinander handelte. Es war eine Mischung von jungen und alten Leuten, aufgeteilt in Arbeitsgruppen. Jede Gruppe hatte einen jüdischen und einen christlichen Leiter, und wir mussten uns nun entscheiden, in welche Gruppe wir gehen wollten. Wir hatten ja überhaupt keine Anhaltspunkte. Vor mir saß eine Frau namens Professor Henry, früher aus der DDR kommend und nun ganz stark beschäftigt mit der jüdischen Bibel. Und ich erlebte, wie ein jüdischer Mann herein kam, auf diese Frau zu ging und sie begrüßte. Er war ein kleiner Mann, sie eine großgewachsene Professorin. Sie begegneten sich vor meinen Augen zum ersten Mal, waren vorher aber schon in schriftlichem Kontakt miteinander gewesen und nun glückselig, sich zu finden. Damit war der Entschluss gefallen: Wir gingen in diese jüdische Gruppe. …. Dort erlebte ich diese ungeheuerliche Sorgfalt der Juden mit ihrer Bibel. Zunächst wurde auf Hebräisch gelesen. Mich beeindruckte diese Leidenschaft, jedes Wort zu ergründen. Die hebräische Sprache hat ja keine Vokale, die Vokale sind nur durch Punkte dargestellt – und diese Punkte fehlten. Das heißt, jedes Wort hatte die Möglichkeit verschiedener Bedeutungen. Und da saßen die Menschen nun mit einer Leidenschaft und versuchten herauszufinden, was wohl diese Worte bedeuten. In unserem Kreis, der von Juden und Christen gemischt war, saß ein Paar, ein auffallendes Paar. Eine blinde Frau [Minna Issler] mit einem Mann; alle beide klein, alle beide einander sehr zugeneigt, fast so, als wären sie ein Mensch! Er war für sie die Augen, da sie ja blind war. Aber beide...

Mehr

Südamerika 1979 – Reise in eine „fremde, gelassenere wärmere Welt“

Die Reise nach Mexiko (Mérida, Puerto Vallarta, Guadalajara, México City) und Südamerika (Kolumbien/Bogotá, Peru/Lima/Cusco und Bolivien/La Paz) vom 7. September bis zum 16. Oktober  war als privater Aufenthalt und auch Arbeitsaufenthalt geplant.  Für Ruth Alice von Bismarck waren die Begegnungen mit Kirchenführern und Padres von großer Bedeutung wie die Aufzeichnungen im Reisetagebuch belegen. Klaus von Bismarck reiste in seiner Funktion als Präsident des Goethe-Instituts und traf sich mit Mitarbeitern der Goethe-Institute La Paz, Bogotá und Lima. Es war seine erste Auslandsreise nach dem Amtsantritt in München 1977. Reiseeindrücke Die Reiseroute führte zuerst nach Mérida im Bundesstaat Yucatan am Golf von Mexiko. Hier beginnen die Aufzeichnungen im Reisetagbuch von Ruth-Alice von Bismarck. Von Mérida ging die Reise auf die andere Seite Mexikos, an den Pazifischen Ozean nach Puerto Vallarta, ein bedeutendes Seebad Mexikos neben Acapulco und Cancún. Fünf Tage privater Aufenthalt in Puerto Vallarta gaben Ruth-Alice Zeit, ausführlich ihre Eindrücke von der Landschaft und den alten Maya-Heiligtümern ebenso festzuhalten wie Begegnungen mit Menschen. Sie erlebte den Festakt zum Nationalfeiertag am 18. September mit, den sie anschaulich schildert und die Auftritte offizieller Redner und Persönlichkeiten mit ironischem Unterton kommentiert. Eingeplant waren auch Kurzaufenthalte in Pátzcuaro im Westen Mexikos am Pátzcuaro-See und in Morelia, der Hauptstadt des Bundesstaates Michoacán. Von dort aus flog das Ehepaar weiter nach Mexiko-Stadt. Begleitet hat Ruth-Alice von Bismarck ihre Beobachtungen von Land und Leuten, Flora und Fauna mit Skizzen, die treffend das Charakteristische des jeweiligen Gegenstandes wiedergeben. Einige Tierskizzen im Reisetagetagebuch stammen von Klaus von Bismarck. Die ausführlichen meist täglichen Einträge wurden noch in Mexiko, in Gualdajara, abgebrochen: „Ich muss jetzt zu einem anderen Stil übergehen. Nur mit Stichworten ist es noch zu schaffen“.  Es folgen bis zum Ende der Reise knappe Eintragungen zu den Tagesereignissen und Begegnungen. Ein Buch voller Fragen Das Reisetagebuch verzeichnet viele Fragen an die Gesprächspartner, die Ruth-Alice treffen wollte, und verweisen auf eine intensive Vorbereitung der Reise. Sie betrafen den Religionsunterricht in den Schulen, den Kirchenbau, die Trennung von Kirche und Staat, die Ausbildung der Geistlichen und Laien, Verfolgung von Priestern, Unterstützung der Armen durch die Kirche, Theologie der Befreiung und die Umsetzung der Beschlüsse der Generalkonferenz der lateinamerikanischen Bischöfe 1979 in Puebla, die finanzielle Situation von Organisationen wie des Centro Nacional de Contacto social (CENOS), das Problem Drogenanbaus u.a.m. Nicht alle Fragen, die Ruth-Alice von Bismarck notiert hatte, konnten gestellt und beantwortet werden. Aber den Aufzeichnungen zufolge, antworteten die Gesprächspartner offen und bereitwillig, obwohl die politische Situation in den südamerikanischen, zum Teil durch Militärdiktaturen  regierten Ländern schwierig war. Teils skizzenhaft, teils ausführlich notierte Ruth-Alice von Bismarck ihre Begegnungen und Gesprächen mit Kirchenvertretern oder Vertretern sozialer Institutionen: mit Kardinal Ernesto Corripio y Ahumada, seit 1977 Erzbischof von Mexiko, mit José Alvarez Icasa, Mexiko, dem Gründer des CENOS, mit Pater Jaime Diaz der Comisión Evangélica Latinoamericana de Educación Cristiana (CELADEC) in Bogotá, mit Pater Hombach (dt. Gemeinde in Peru), Pater Reinoso in Peru, Pater Ramhorst und mit Bischof Menziger. Begleiter auf den verschiedenen Stationen der Reise waren die Leiter der Goethe-Institute des jeweiligen Landes. In Mexiko begleitete sie das Ehepaar Jäger, das ihnen auch Informationen über die Befreiungsbewegung und die Theologie der Befreiung zukommen ließ. Über ihre Eindrücke von der Reise hat sie noch ausführlich in zwei Interviews am 9. und 16. Februar 2006 gesprochen. Dieses Interview-Gespräch ist eine wesentliche Ergänzung zum Reisetagebuch. Weiterführende Dokumente: Reiseplan; Ruth-Alice Aufzeichnungen von der Reise Reisetagbuch 1; Reisetagebuch 2; Interview-Gespräch über die Südamerika-Reise; die politische Situation in Südamerika in den 1970er Jahren, Theologie der...

Mehr

Shalom-Kreis ‒ christliche Tradition im Zeitgeschehen

Auch bei der Gründung des ökumenisch-politischen Gesprächskreises „Shalom“ (1980) war Ruth-Alice von Bismarck aktiv beteiligt. Seiner Selbstdarstellung nach rechnete sich der Kreis zur evangelischen Erlöserkirche in Schwabing. Die Mitglieder des Shalom-Kreises befassten sich auf ihren Treffen mit Themen, zu denen politische Information ebenso gehörte wie Bibel und Gebet, anknüpfend an Dietrich Bonhoeffers „Erbe“, tiefen Glauben mit politischem Engagement zu verbinden (Ruth-Alice von Bismarck). In Anlehnung an Traditionen der Quäker praktizierten die Mitglieder die „Einübung der Stille“. Ruth-Alice von Bismarck charakterisierte den Shalom-Kreis als einen Zusammenschluss von Menschen, der „sein Leben aus der Spannung zwischen christlicher Tradition und heutigem Leben bezieht“. Wie im Frauenkreis, so bereitete Ruth-Alice auch für die Treffen des Shalom-Kreises Vorträge oder Diskussionsbeiträge vor, erhalten geblieben sind leider nur handschriftliche Notizen zum Thema „Leiden der Generationen aneinander“ aus dem Jahr 1984. Im ökumenischen Dialog beteiligte sich der Shalom-Kreis auch an Friedensgebeten, so stellte Ruth-Alice1988 ihre Wohnung als Gebetsort der Gebetskette Holland-Assisi zur Verfügung. Wach gegenüber dem Zeitgeschehen und im christlichen Selbstverständnis mischte sich der Shalom-Kreis in Tagethemen ein, so in einem Brief an Bundespräsident Roman Herzog im November 1994 mit der Bitte, vier seit 15 Jahren inhaftierte RAF-Gefangenen „eine Lebensperspektive und Vertrauen in unsere Gesellschaft zurückzugeben, indem der Rechtsstaat im Rahmen seiner Möglichkeiten Gnade vor Recht ergehen lässt.“ Ein Schreiben an den Hamburger Ersten Bürgermeister Klaus von Dohnanyi zu dem Konflikt der Stadt mit den Hausbesetzern in der Hafenstraße ist leider nicht erhalten, nur die knappe Antwort des Bürgermeisters.  Die Unterstützung der Apartheidsgegner in Südafrika und der Boykott südafrikanischer Waren waren ein weiteres Aktionsfeld des Shalom-Kreises. Auf dem Südafrika-Tag während des 21. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Düsseldorf 1985 sprach Ruth-Alice zusammen mit Dr. Ben Khumalo und Jürgen Schroer das Mittagsgebet. Weiterführende Dokumente:  Selbstdarstellung Shalom-Kreis; Notizen von Ruth-Alice zum Thema „Leiden der Generationen aneinander“; Beteiligung an der Gebetskette Holland-Assisi; Schalom-Kreis wendet sich in einem Schreiben an Bundespräsident Roman Herzog mit der Bitte um Begnadigung von RAF-Häftlingen; Antwort des Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi auf einen nicht erhaltenen Brief zur Situation in der Hamburger Hafenstraße; Brief an die Brüder in Südafrika 1986; Mittagsgebet während des Kirchentages...

Mehr

Frauenkreis „Neue Freiheit“

In dem Aufbruchsklima der 1970er Jahre gründeten sich vor allem in den westdeutschen Großstädten zumeist parteipolitisch ungebundene Frauengruppen. Die Vielfalt der Themen war dennoch höchst politisch und enttabuisierend: Familienplanung/Abtreibung/Sexualität wurden in der Öffentlichkeit verhandelt, neue Lebensformen ausprobiert und intensiv über Kindererziehung diskutiert. In diesem Umfeld, wenn auch ungebunden, gründete sich Ende der 1970er Jahre der Münchner Frauenkreis „Neue Freiheit“, angeregt von Ruth-Alice von Bismarck und der Psychologin Silvia Görres. München war seit den 1970er Jahren eine „Hochburg“ der Frauenbewegung, hier wurde der erste feministische Verlag Frauenoffensive und der erste Frauenbuchladen Lillemor’s gegründet, mehrere Frauenzentren und ein Frauenhaus entstanden. Die „neue Frauenbewegung“ nutzte den politischen und gesellschaftlichen Wandel der 1960er und 1970er Jahre, um sich zunehmend Freiräume zu erobern und politisch zu engagieren. Neue Freiheit Das Thema des ersten Treffens. „Die Rolle der Frau in ihrer neuen Freiheit“ gab den monatlichen Zusammenkünften, anfangs im Wohnzimmer der Bisamarcks, den Namen. Ruth-Alice von Bismarck und die Psychologin Silvia Görres fungierten als Initiatorinnen dieses Gesprächskreises. Weitere Frauen der „ersten Stunde“ waren die Ärztin Dr. Gustava Everding, die Sozialpädagogin Nore von Rotenhahn, Hildegard Heigert, Eva Brücher von Miller, die Künstlerin Helga von Loewenich und die Juristin Magdalena Harnischfeger-Ksoll. Bei dem regelmäßigen Gedankenaustausch diskutierten die Teilnehmerinnen unterschiedliche Themen, meist im Rahmen eines Referates, für das sich ein Mitglied entschieden hatte. So beschäftigte die Frauen über mehrere Treffen hinweg die Frage nach der Mitschuld am „politischen Unheil“ und die Mitverantwortung für die neue politische Situation in Deutschland 1989. [Protokoll 4.10.89/2.11.89] Vielfach kamen Themen aus den Arbeitsfeldern der überwiegend berufstätigen Frauen zur Sprache [Protokoll 24.3.88], Berichte aus den verschiedenen außerberuflichen Engagements, biografische Themen wie das Leben der Malerin Frieda Kahlo [Protokoll 10.11.90]. Die führende Rolle nahm Ruth-Alice von Bismarck ein, sie war – so Magdalena Harnischfeger-Ksoll – „der Spiritus Rektor des Ganzen“. Ruth-Alice war offen für Anregungen, „auch wenn die Themen nicht zu ihren ureigentlichen Interessen gehörten … Ihre energische Moderation war ein Segen“ (Magdalena Harnischfeger-Ksoll) bei den oft kontroversen Diskussion, die lautstark geführt wurden. Ihre „anregende Anwesenheit“ gab den Treffen „farbige Tiefe“, wie Margarete Weber pointiert Ruth-Alice Wirken im Frauenkreis charakterisiert. Bei diesen sehr unterschiedlichen Themen gelang es ihr, „auch bei der Diskussion von absolut nicht-religiösen Themen zumindest am Schluss ‚eine Kurve‘ zu einem christlich-religiösen Beitrag oder Thema zu finden“ erinnert sich Magdalena Harnischfeger-Ksoll. Öffentlichkeitswirksam trat die Gruppe im bayerischen Landtagswahlkampf 1990 auf, in dessen Verlauf eine bayerische Partei versuchte, Stimmen zu gewinnen auf Kosten der Asylbewerber. Ruth-Alice von Bismarck unterzeichnete die Einladung zu einem Pressegespräch anlässlich der Vorstellung des Aufrufs „Frauen überschreiten Grenzen“ 1990. Lebenslange Verbundenheit Gemeinsame Fahrten vertieften die Zusammenarbeit, wie aus einem Rundbrief Ruth-Alice von Bismarcks deutlich wird, den sie nach einem gemeinsamen Wochenende im Chiemgau im Juli 1989 an alle Teilnehmerinnen verschickte: „Was ist bloß passiert an „unserem“ Wochenende, das überhaupt kein Wochenende war, sondern nur eine Nacht mit wenigen Stunden danach und davor? … Wir hatten ein Referat von Silvia Görres … Wir schliefen in zwei Häusern. Wir waren alle pünktlich zur Eutonie vor dem Frühstück … Wie kam es nur, dass wir am Schluss feststellten, dass wir in viel zu vielen Autos gekommen waren, weil jeder sich gerne noch hinterher mit anderen ausgetauscht hätte ‒ warum es eigentlich so schön war …?“ Eine gemeinsame Prag-Reise im Oktober 1991 bezeichnet Ruth-Alice in einem Brief an Carola Bloss als einen „wichtigen Markstein“ in der Geschichte des Frauenkreises. Die Organisation in Prag hatte Carola Bloss übernommen, deren Ehemann am dortigen Goethe-Institut tätig war. Die Reisevorbereitungen in München leistete Ruth-Alice. Ihre Verbundenheit mit den „Freiheitsschwestern“ hatte auch nach dem Wegzug von München Bestand: „Diese Tage in München waren eine große Stärkung“ schrieb sie im...

Mehr

Bertha Volck „Dane“ (1874–1977)

Eine besondere Beziehung bestand zwischen Ruth-Alice von Bismarck und Bertha Volck, von den Bismarck-Kindern „Dane“ genannt. Sie begleitete Ruth-Alice auf der Flucht aus Pommern und in den Jahren der Flüchtlingsexistenz in Oberbehme ebenso wie in den Villigster und Kölner Jahren. Ohne ihre beständige Anwesenheit und Fürsorge für Haushalt und Kinder wäre es Ruth-Alice von Bismarck nicht möglich gewesen den großen Haushalt zu führen, ihren vielfältigen Interessen sowie ihrem sozialen Engagement nachzugehen und zusammen mit ihrem Mann die Auslandsreisen in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren zu unternehmen. Bertha Volck zog in ihrem langen Leben drei Generationen von Bismarck-Kindern groß. Sie besaß großes pädagogisches Geschick im Umgang mit kleinen und heranwachsenden Kindern. Dane stand auch der jungen hochschwangeren Ruth-Alice und den beiden Kinder Gottfried und Hans auf der Flucht aus Pommern und dem langen Weg nach Westfalen zur Seite. Unterwegs verkürzte sie den Kindern die Zeit durch Geschichtenerzählen. Geboren wurde Bertha Volck in Nürnberg am 21. Dezember 1874. Wie der Kontakt zu den vom Bismarcks in Pommern zustande kam, schildert Ruth-Alice in einem Interview. Die enge Verbindung zwischen den beiden Frauen wurde auch in Zeiten der Trennung aufrechterhalten, wenn Ruth-Alice Urlaub machte oder Reisen mit ihrem Mann unternahm. Dane schrieb oft jeden zweiten Tag Briefe und hielt so den Kontakt zu den Eltern. Für den Zeitraum von 1949 bis 1974 sind 87 Briefe und Postkarten von ihr an Ruth-Alice von Bismarck erhalten. Dane informierte über alle Geschehnisse im Hause, über die Entwicklung der Kinder, ihre Krankheiten, ihre Schulsorgen oder Schulerfolge, selbst die Zahl der eingemachten Gläser mit Obst und Gemüse aus dem Garten wurde erwähnt und ab und zu auch etwas Klatsch. Es sind sehr persönlich gehaltene Briefe, die die tiefe Verbundenheit zwischen diesen beiden Frauen deutlich machen. Bertha Volck starb am 21. Juni 1977 im Kölner Haus der Bismarcks. Weiterführende Dokumente: Lebensgeschichte von Bertha Volck, aufgeschrieben von ihrer Nichte Tilly Garder , Ruth-Alice von Bismarck erinnert im Interview an Bertha Volck, Ruth-Alice von Bismarck und Bertha Volck auf der  Flucht aus Pommern; frühester erhaltener Brief von Bertha Volck an Ruth-Alice von Bismarck; Traueranzeige                ...

Mehr