Südamerika 1979 – Reise in eine „fremde, gelassenere wärmere Welt“

Die Reise nach Mexiko (Mérida, Puerto Vallarta, Guadalajara, México City) und Südamerika (Kolumbien/Bogotá, Peru/Lima/Cusco und Bolivien/La Paz) vom 7. September bis zum 16. Oktober  war als privater Aufenthalt und auch Arbeitsaufenthalt geplant. 

Für Ruth Alice von Bismarck waren die Begegnungen mit Kirchenführern und Padres von großer Bedeutung wie die Aufzeichnungen im Reisetagebuch belegen. Klaus von Bismarck reiste in seiner Funktion als Präsident des Goethe-Instituts und traf sich mit Mitarbeitern der Goethe-Institute La Paz, Bogotá und Lima. Es war seine erste Auslandsreise nach dem Amtsantritt in München 1977.

Reiseeindrücke

Die Reiseroute führte zuerst nach Mérida im Bundesstaat Yucatan am Golf von Mexiko. Hier beginnen die Aufzeichnungen im Reisetagbuch von Ruth-Alice von Bismarck. Von Mérida ging die Reise auf die andere Seite Mexikos, an den Pazifischen Ozean nach Puerto Vallarta, ein bedeutendes Seebad Mexikos neben Acapulco und Cancún. Fünf Tage privater Aufenthalt in Puerto Vallarta gaben Ruth-Alice Zeit, ausführlich ihre Eindrücke von der Landschaft und den alten Maya-Heiligtümern ebenso festzuhalten wie Begegnungen mit Menschen.

Sie erlebte den Festakt zum Nationalfeiertag am 18. September mit, den sie anschaulich schildert und die Auftritte offizieller Redner und Persönlichkeiten mit ironischem Unterton kommentiert. Eingeplant waren auch Kurzaufenthalte in Pátzcuaro im Westen Mexikos am Pátzcuaro-See und in Morelia, der Hauptstadt des Bundesstaates Michoacán. Von dort aus flog das Ehepaar weiter nach Mexiko-Stadt.

Begleitet hat Ruth-Alice von Bismarck ihre Beobachtungen von Land und Leuten, Flora und Fauna mit Skizzen, die treffend das Charakteristische des jeweiligen Gegenstandes wiedergeben. Einige Tierskizzen im Reisetagetagebuch stammen von Klaus von Bismarck. Die ausführlichen meist täglichen Einträge wurden noch in Mexiko, in Gualdajara, abgebrochen: „Ich muss jetzt zu einem anderen Stil übergehen. Nur mit Stichworten ist es noch zu schaffen“.  Es folgen bis zum Ende der Reise knappe Eintragungen zu den Tagesereignissen und Begegnungen.

Ein Buch voller Fragen

Das Reisetagebuch verzeichnet viele Fragen an die Gesprächspartner, die Ruth-Alice treffen wollte, und verweisen auf eine intensive Vorbereitung der Reise. Sie betrafen den Religionsunterricht in den Schulen, den Kirchenbau, die Trennung von Kirche und Staat, die Ausbildung der Geistlichen und Laien, Verfolgung von Priestern, Unterstützung der Armen durch die Kirche, Theologie der Befreiung und die Umsetzung der Beschlüsse der Generalkonferenz der lateinamerikanischen Bischöfe 1979 in Puebla, die finanzielle Situation von Organisationen wie des Centro Nacional de Contacto social (CENOS), das Problem Drogenanbaus u.a.m. Nicht alle Fragen, die Ruth-Alice von Bismarck notiert hatte, konnten gestellt und beantwortet werden. Aber den Aufzeichnungen zufolge, antworteten die Gesprächspartner offen und bereitwillig, obwohl die politische Situation in den südamerikanischen, zum Teil durch Militärdiktaturen  regierten Ländern schwierig war.

Teils skizzenhaft, teils ausführlich notierte Ruth-Alice von Bismarck ihre Begegnungen und Gesprächen mit Kirchenvertretern oder Vertretern sozialer Institutionen: mit Kardinal Ernesto Corripio y Ahumada, seit 1977 Erzbischof von Mexiko, mit José Alvarez Icasa, Mexiko, dem Gründer des CENOS, mit Pater Jaime Diaz der Comisión Evangélica Latinoamericana de Educación Cristiana (CELADEC) in Bogotá, mit Pater Hombach (dt. Gemeinde in Peru), Pater Reinoso in Peru, Pater Ramhorst und mit Bischof Menziger.

Begleiter auf den verschiedenen Stationen der Reise waren die Leiter der Goethe-Institute des jeweiligen Landes. In Mexiko begleitete sie das Ehepaar Jäger, das ihnen auch Informationen über die Befreiungsbewegung und die Theologie der Befreiung zukommen ließ.

Über ihre Eindrücke von der Reise hat sie noch ausführlich in zwei Interviews am 9. und 16. Februar 2006 gesprochen. Dieses Interview-Gespräch ist eine wesentliche Ergänzung zum Reisetagebuch.

Weiterführende Dokumente: Reiseplan; Ruth-Alice Aufzeichnungen von der Reise Reisetagbuch 1; Reisetagebuch 2; Interview-Gespräch über die Südamerika-Reise; die politische Situation in Südamerika in den 1970er Jahren, Theologie der Befreiung