Mit unterschiedlichen Zielen traten Ruth-Alice und Klaus von Bismarck Ende Juli/Anfang August 1954 die gemeinsame USA-Reise an. Klaus von Bismarck als Mitglied der Ökumenischen Delegation aus Deutschland zur Weltkirchenkonferenz in Evanston, Ruth-Alice privat auf Verwandtenbesuch in New York und Bryn Mawr im Bundesstaat Pennsylvania. Nicht nur die Überfahrt auf der MS „Gripsholm“ war zu dieser Zeit ein bereicherndes Erlebnis, auch die Begegnungen mit Theologen während der zehn Tage.
Ein Jahr nach dem ersten USA-Besuch Klaus von Bismarcks reisten er und Ruth-Alice gemeinsam in die USA, zusammen mit einer ökumenischen Delegation. Klaus von Bismarck nahm an der Vollversammlung des ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen) teil, die vom 15. bis zum 31. August unter dem Thema „Jesus Christus ‒ die Hoffnung der Welt“ 1954 in Evanston (Illinois) tagte und auf der unter anderem über die Frage der christlichen Haltung gegenüber Juden debattiert wurde. Für Ruth-Alice, die an der Konferenz nicht teilnehmen durfte, bedeutete die Reise ein Wiedersehen mit den Schwestern Maria und Christine.
Eine kleine Sammlung von Programmheften und Flugblättern dokumentiert Besuche von Gottesdiensten [Church of the Redeemer/Plymouth Church oft he Pilgrims] ebenso wie den Besuch einer Sportveranstaltung, die Ruth-Alice vermutlich mit ihren Schwestern Christine und Maria gemeinsam besuchte.
Die „Gripsholm“ (später MS „Berlin“) des Norddeutschen LLoyd Bremen brachte die Reisenden von Bremerhaven nach New York, ein 19100 BRT-Schiff unter der damaligen Leitung von Kapitän Heinrich Lorenz. Die erhaltenen Speisekarten geben einen Eindruck von dem für die 1950er Jahre aufwendige und zugleich heute traditionell anmutende Verpflegung.
Ruth-Alice erinnert sich, dass nur wenige Ehefrauen mitfuhren und während der Schiffsreise eine „privilegierte Stellung“ einnahm, die sie sehr genossen habe. Die Überfahrt sei überdies „hochdramatisch!“ gewesen. Zehn Tage habe sie sich „unter lauter Theologen!“ bewegt. Intensive Gespräche fanden selbst bei den Mahlzeiten statt, so mit dem evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer, dem Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen Ernst Wilm und seinem Nachfolger Hans Thimme.
„Mit der Konferenz hatte ich nichts zu tun, da durfte ich gar nicht mitfahren. Klaus [ging] zur Konferenz nach Evanston [im Bundesstaat Illinois am Michigansee] und ich ging zu Verwandten. Ich hatte vorher ein französisches Buch über Amerika gelesen. Darin stand eine bis heute sehr einleuchtende Theorie: Europa als Vaterländer und die USA als Mutterland. Die Leute, die das Europa der Vaterländer verließen, fanden in den USA mütterliche Aufnahme.“
Das Bild von den USA, das Ruth-Alice aus Europa mitbrachte, musste sie korrigieren: „Da war so viel Neues, das auf mich zukam. Ich war festgelegt in meinem europäischen inneren Bild, dass ich meinte, in Amerika gäbe es keine Landschaft. Spannend während der Überfahrt war die Zeitverschiebung, der wir entgegen fuhren, der Abend wurde immer länger.“
Auszüge aus einem Interview, das Dr. Josef Schmid mit Ruth-Alice von Bismarck am 2. Februar 2006 geführt hat. Redaktionelle Bearbeitung Christine Schatz
Weiterführende Dokumente:Sammlung von Programmheften und Flugblättern Billy Graham; Church of the Redeemer/Plymouth Church oft he Pilgrims; Speisekarte der MS Gripsholm; Flyer Yankee Stadium New York